Für mehr blühende Vielfalt: Umwandlung von vier Flächen in Igersheim hat begonnen
„Natur nah dran“-Flächen werden zum Teil mit steinigem Substrat vorbereitet
Seit ein paar Tagen werden die im Rahmen des NABU-Projekts „Natur nah dran“ ausgewählten Flächen in Igersheim vorbereitet, die mit Wildpflanzen insektenfreundlich umgestaltet werden. Das bedeutet, dass sie zum Teil ausgebaggert und mit einem Gemisch aus Schotter und Kompost wieder aufgefüllt werden. Dies ist nötig, damit die Wildblumen und Wildstauden dort gedeihen können – sie benötigen einen sehr mageren Boden, um optimal wachsen zu können. „Die Flächen sehen für ein paar Wochen natürlich zunächst recht grau aus oder werden sogar mit einem neuen Parkplatz verwechselt. Doch keine Bange: schon im nächsten Jahr blühen hier die ersten Wildpflanzen für Tiere wie Mauerbienen, Stieglitze oder Schachbrettfalter“, erklärt NABU-Projektleiter Martin Klatt. „Es braucht jetzt etwas Geduld, aber in den nächsten ein bis zwei Jahren werden sich die Flächen immer mehr zu wertvollen und langjährigen Lebensräumen entwickeln.“
Bodenaustausch entfernt Weißklee und Co. – Flächen werden im Herbst bepflanzt
Ein weiterer Grund für den teilweisen Bodenaustausch ist, dass so die im Boden schlummernden Samen von weniger erwünschten und sich schnell ausbreitenden Pflanzen wie Melde, Knöterich oder Weißklee entfernt werden. An manchen Standorten wird die Erde an Ort und Stelle belassen, umgegraben und dann mit Wildpflanzen bestückt. Diese Methode ist weniger aufwändig, es dauert aber länger bis sich die Wildpflanzen großflächig etablieren. Die mit „Natur nah dran“ durchgeführten Maßnahmen sind individuell auf die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Die Gemeinde Igersheim hat mit Hilfe von Naturgartenplaner Manuel Chmiel ein geeignetes Konzept erarbeitet, das nun umgesetzt wird. Die Mitarbeitenden von Igersheim bereiten nun zunächst den Boden vor. Anfang November pflanzen sie dann Wildstauden, stecken Wildblumenzwiebeln und säen Wildblumensamen ein. Davor besuchten die Mitarbeitenden eine Schulung im Rahmen des Projekts, bei der sie die Methoden genauer kennenlernten.
Schotterflächen sind keine Schottergärten oder Parkplätze
Die „Natur nah dran“-Flächen sind nicht mit den Schottergärten zu verwechseln, die für Insekten und Vögel nutzlos sind. Zwar kommt in einige Projekt-Flächen ebenfalls grobes Material, aber immer in Kombination mit feinen Anteilen, wie Sand oder Schluff, die gewährleisten, dass die Samen ausreichend Bodenkontakt haben und Wurzeln sich ausbilden können. Ergänzt wird das mineralische Substrat durch Grünschnittkompost. So können Wildpflanzen gedeihen, die in einem Schottergarten kaum eine Überlebenschance hätten.
Die in Igersheim mit „Natur nah dran“ umgewandelten Flächen liegen jeweils am Schul- und Sportzentrum in der Erlenbachtalstraße sowie zwei Flächen an der Einfahrt Altenbergring (ehemalige Volksbank). An diesen Grünflächen werden vorübergehend Schilder aufgestellt, die kurz und knapp erklären, warum Baggerarbeiten stattfinden oder Substrat aufgeschüttet wird. Später werden diese durch feste Infotafeln ersetzt, die auf die wertvollen Lebensräume für die biologische Vielfalt hinweisen.
Hintergrund
Das Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ von NABU und Land wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Von 2022 bis 2027 werden jährlich 15 Städte und Gemeinden gefördert. Seit 2016 wandelten 136 Kommunen bereits über 290.000 Quadratmeter naturnah um.
