Gasthof Möhlers beim "Beispielhaften Bauen" ausgezeichnet

Schwerpunkt lag auf Bauen und Weiterbauen im Bestand

Um die Qualität der bebauten Umwelt zur Diskussion zu stellen, hat die Architektenkammer Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Landratsamt Main-Tauber-Kreis das Auszeichnungsverfahren „Beispielhaftes Bauen Main-Tauber-Kreis 2017 – 2026“ umgesetzt. Schirmherr ist Landrat Christoph Schauder. Ziel des Verfahrens ist es, gut gestaltete Architektur aus allen Lebensbereichen aufzufinden und durch das gelungene Beispiel weitere Impulse für die positive Entwicklung der Baukultur im Landkreis zu geben.

Zum Verfahren wurden 37 Arbeiten eingereicht, die alle den Teilnahmebedingungen entsprachen. Eine siebenköpfige Jury, zusammengesetzt aus vier Fachjuroren und drei Sachjuroren, tagte am Donnerstag, 17., und Freitag, 18. September, unter dem Vorsitz von Manfred Sautter. Vom Vormittag bis zum Mittag des ersten Tages nahm die Jury in mehreren Durchgängen insgesamt 25 Arbeiten in die engere Wahl. Danach durchquerte die Jury den Main-Tauber-Kreis, um die in die engere Wahl genommenen Objekte vor Ort anzuschauen. Nach intensiven Beratungen vergab die Jury 17 Auszeichnungen.

Bürgermeister Menikheim freut sich besonders über die Auszeichnung des Gasthofs Möhlers, denn der Weg bis zur Eröffnung war kein einfacher. Der Anfang wurde bereits vor gut 10 Jahren gemacht: In den Jahren 2015 und 2016 hat die Gemeinde ein integriertes Gemeindeentwicklungskonzept – die Zukunftsstrategie 2030+ - erarbeitet. Dem ging eine umfassende Befragung der Bürgerschaft voraus. Unter allen abgefragten Lebensbereichen wurde dabei die Gastronomie mit der Note 4,3 am schlechtesten bewertet. Es gab also den deutlichen Wunsch der Bevölkerung diesen Lebensbereich zu verbessern. Konkretisiert wurde das Ziel einer Gastronomie am Möhlerplatz anschließend im städtebaulichen Rahmenplan: „Der damalige Platz – wenig attraktiv, kaum Aufenthaltsqualität – sollte aufgewertet und zu einem lebendigen Mittelpunkt werden, zu einem „Wohnzimmer“ für Igersheim“, erinnert sich Bürgermeister Menikheim.

Die Umgestaltung des Ortskerns und des Möhlerplatzes wurde in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt umgesetzt. Dass die Umgestaltung der Freiflächen sehr gut gelungen ist, bestätigt auch die bereits erhaltende Auszeichnung für die „Ortsmitte Igersheim“ durch die regionale Baukultur-Initiative „Hohenlohe-Tauberfranken“.

Aber warum, war es der Gemeinde so wichtig, bei dem Thema Gastronomie selbst tätig zu werden?

„Wir sind der festen Überzeugung, dass das Miteinander und die Gemeinschaft ein ganz entscheidender Faktor für das Zusammenleben und die Lebensqualität in unserem Ort sind. Und dazu braucht es Begegnung der Menschen, niederschwellig, zufällig, beiläufig, auch unorganisiert und unverabredet.
Diese zufälligen, niederschwelligen Begegnungen entstehen heutzutage nicht mehr von allein. Aber man kann sie fördern – durch Aufenthaltsqualität im Ortskern und dadurch, dass dieser seine ursprünglichen Funktionen behält. Durch Orte, wo die Menschen gerne hingehen und verweilen. Wo sie Sitzgelegenheiten vorfinden, Schatten, eine öffentliche Toilette, Einkaufsmöglichkeiten des täglichen Bedarfs. Eine ansprechende Gestaltung gehört natürlich auch dazu. Und genau das - diese Qualität im Ortskern - ist uns in den vergangenen Jahren gut gelungen: durch die Geschäfte, die Banken, das Bürgerlädle, das Rathaus, Praxen, Apotheken, aber auch neue Wohnungen und öffentliche Stellplätze auf ein und derselben Fäche. Gastronomie gab es zwar bereits – aber eben nicht direkt hier, an unserem zentralen Möhlerplatz. Und genau deshalb ist das Möhlers so wichtig: Es wertet unser „Wohnzimmer“ entscheidend auf und bedeutet für die Belebung dieses Platzes und des Ortskerns nochmal einen echten Quantensprung.“, erläutert Bürgermeister Menikheim die Motivation der Gemeinde.

Weiterführende Informationen zum Auszeichnungsverfahren „Beispielhaftes Bauen“ erhalten Sie auf der Homepage des Landratsamtes unter Beispielhaftes Bauen: Mit gelungenen Beispielen weitere Impulse geben / Main-Tauber-Kreis

Auszug aus der Begründung der Jury

  • Fertigstellung: 2026
  • Adresse: Möhlerplatz 2, Igersheim
  • Bauherrschaft: Gemeinde Igersheim
  • Architektur: Jochen Elsner Freier Architekt, Bad Mergentheim
  • Stadtplanung: Haines-Leger Architekten + Stadtplaner BDA, Würzburg

"Eine lebendige Ortsmitte ist die Visitenkarte einer Gemeinde, ein Gasthaus das Herzstück und der emotionale Mittelpunkt. Die Verbindung von historischer und zeitgenössischer Architektur fügt sich harmonisch in den Platz ein und wertet ihn gleichzeitig auf. Im Innern überrascht das Gebäude als wahres Raumwunder. Jedes Zimmer ist individuell eingerichtet und liebevoll abgestimmte Details in der Ausstattung schaffen eine warme, unverwechselbare Atmosphäre. Besonders erwähnenswert ist die Barrierefreiheit, die trotz anspruchsvoller Höhenunterschiede hervorragend gelungen ist. Nicht zuletzt ist der Mut der Gemeinde beispielhaft, das Projekt in Eigeninitiative beharrlich voranzutreiben und für die Dorfgemeinschaft einen echten Mehrwert zu schaffen – einen „Win-Win-Gasthof“. Das Ergebnis ist ein überzeugendes Beispiel für städtebauliche Wertschöpfung und ein ausgezeichneter Impuls für andere Kommunen!" (Jurybegründung)

Gasthof Möhlers Igersheim

© Bild: Fotostudio Profil Brigritte Blesl