Jüdische Kulturtage

Zwischen Geschichte und Gegenwart: Jüdische Kulturtage Taubertal setzen Zeichen für Menschlichkeit

Vom 19. bis 22. Juni gibt es Theater, Erinnerung, Begegnung und Musik / Elf Veranstaltungen in vier Kommunen

Die Jüdischen Kulturtage im Taubertal 2026 finden vom 19. bis 22. Juni (Freitag bis Montag) statt und bieten ein vielfältiges Programm aus Kunst, Geschichte, Musik, Theater und Bildungsangeboten in Bad Mergentheim, Creglingen, Igersheim und Niederstetten.
Führungen, Stadtspaziergänge und Ortsrundgänge erschließen jüdisches Leben an historischen Orten wie dem Residenzschloss, dem jüdischen Friedhof oder im Stadtraum. Ein feierliches Eröffnungskonzert mit „Klezmers Techter & Shai Terry“ verbindet jiddische und hebräische Musiktraditionen mit zeitgenössischem Ausdruck. Theater, Filmvorführungen und Ausstellungen setzen sich kritisch mit Antisemitismus, NS-Propaganda, Widerstand und Verantwortung auseinander. Ergänzt wird das Programm durch Stolpersteinverlegungen sowie eine koschere Weinprobe mit Einblicken in religiöse Praxis.

Die besondere Stärke der Kulturtage liegt in der regionalen Verankerung, der persönlichen Annäherung an jüdische Biografien und der Verbindung von Erinnerungskultur mit aktuellen Fragen von Demokratie und Zivilcourage. Zudem arbeiten Kommunen, Initiativen und Bildungspartner gemeinsam daran, jüdische Geschichte sichtbar zu machen und lebendig zu vermitteln.

Mit diesem Ziel hat das jüdische Ehepaar Adele und Roy Igersheim aus Maryland, USA, die Jüdischen Kulturtage Taubertal vor 16 Jahren mit der Gemeinde Igersheim initiiert und Holocaust-Bildung mit Lehrplanaktivitäten angeboten, darunter jährliche Exkursionen für Neuntklässler zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Ab 2017 haben sie diese mit weiteren Bildungspartnern zu den „Jüdischen Kulturtagen im Taubertal“ weiterentwickelt. Sie begleiten diese seitdem mit großem persönlichem und finanziellem Einsatz. Ihr Antrieb: ein Dialogforum öffnen und Impulse für gelingendes Miteinander, Menschenrechte und Demokratie aussenden. Die beiden haben auch in diesem Jahr die Schirmherrschaft inne – gemeinsam mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster.

„Wir freuen uns auf die Reise ins Taubertal, auf die vielfältigen Veranstaltungen und die Begegnungen mit Menschen aller Generationen dort. Die Projekte im Rahmen der Kulturtage sind breit verankert und haben großen Zuspruch. Uns wurde in all den Jahren immer auch zurückgespiegelt, dass von diesem Format für alle Teilnehmenden wertvolle und bleibende Impulse ausgehen – das wird für das diesjährige Programm genauso gelten“, so der Ausblick von Adele und Roy Igersheim.
Dieses Jahr werden sogar sieben Familienmitglieder aus drei Generationen aus den USA anreisen und an den Veranstaltungen teilnehmen, mit Schulklassen in drei verschiedenen Schulen sprechen und eine Jugendgruppe treffen. Bei den aktuell großen Konflikten und im Nahen Osten haben Roy und Adele Igersheim ihre deutschen Bildungspartner gefragt, ob sie in dieser politisch aufgeheizten Situation die Jüdischen Kulturtage im Taubertal 2026 überhaupt veranstalten möchten.
„Wenn nicht wir Bildungspartner, wer dann? Gerade jetzt!“, fasst Igersheims Bürgermeister Frank Menikheim, die von allen Akteuren mitgetragene Einstellung in Worte. Bei den Jüdischen Kulturtagen gehe es ja nicht um tagespolitische Themen, sondern vor allem darum, historische Fakten und Zusammenhänge und Kulturwissen zu vermitteln. „Und das war schon immer eine bessere Basis fürs Zusammenleben von Kulturen und Religionen als fanatische Ideologien“, so Frank Menikheim.
Die Veranstaltungen im Einzelnen:Eröffnet werden die Kulturtage mit einem Konzert, das die virtuosen Musikerinnen von „Klezmers Techter“ auf die preisgekrönte israelische Mezzosopranistin Shai Terry treffen lässt: jiddische und hebräische Liedkunst, dargebotene mit leidenschaftlicher Spielfreude und kraftvoller Stimme – mal lebensfroh, mal melancholisch. Der musikalische Auftakt findet am Freitag, 19. Juni, um 20.30 Uhr in der Evangelischen Jakobskirche Niederstetten statt. Für diese Veranstaltung sind Eintrittskarten zu erwerben.
Bereits vor dem offiziellen Start werden am gleichen Tag als Zeichen der Erinnerung weitere Stolpersteine verlegt in Bad Mergentheim (11.30 Uhr, Nonnengasse 17), in Edelfingen (14 Uhr, Theobaldstraße 16) und in Dainbach (15 Uhr, Kannenstraße 15). Die kleinen Messingtafeln erinnern an den einstigen Wohnorten von Holocaust-Opfern an die einstigen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Musikalisch gerahmt werden die Termine von drei Klarinettistinnen der Jugendmusikschule Bad Mergentheim. Um 14 Uhr beginnt zudem im Residenzschloss Mergentheim eine Führung durch die Abteilung „Jüdisches Leben“, an die sich ein Stadtrundgang auf den Spuren der in der Kurstadt sehr bekannten jüdischen Familie Fechenbach anschließt. Stolpersteinverlegungen und Führung können ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt besucht werden.
Mit einem geführten Stadtspaziergang auf dem Niederstettener „Tachelespfad“ geht es am Samstag, 20. Juni, um 16 Uhr erneut zu Fuß auf Zeitreise. Roland Silzle führt entlang der sechs Stationen des Pfades. Dieser geht zurück auf Pfarrer Hermann Umfrid, der im März 1933 „Tacheles“ redete und früh und mutig vor Antisemitismus warnte. Ausgangspunkt ist der Kirchturm der Evangelischen Jakobskirche. Die Veranstaltung kostet keinen Eintritt.

Am Abend dieses Tages setzt die Veranstaltungsreihe ihren ersten in dieser Form ganz neuen Akzent für das Jahr 2026: Das Theaterstück „Weglaufen werde ich nie – der Kampf des Felix Fechenbach“ ist eine Annährung an den gebürtigen Mergentheimer, der zu einem namhaften Journalisten und Autor in der Weimarer Republik wurde. Seinem bewegten Leben in allen Facetten kommen die Besucherinnen und Besucher in einer wilden Mischung aus Puppenspiel und Schauspiel näher. Im Anschluss ist Gelegenheit zur Diskussion. Das Theaterstück wird bei freiem Eintritt um 19 Uhr in der Aula des Deutschorden-Gymnasiums Bad Mergentheim aufgeführt.
Am Sonntag, 21. Juni, versprechen zunächst zwei weitere Führungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten interessante Einblicke. Klaus Huth begibt sich ab 11 Uhr auf die Spuren jüdischen Lebens in Bad Mergentheim am Beispiel von Einzelpersonen (Treffpunkt ist die Gedenkstele im Äußeren Schlosshof). Um 15 Uhr führt Ulrich Schönberger über den Jüdischen Friedhof Creglingen und schildert dessen Geschichte, wobei er auch die konkrete Gestaltung einzelner Grabsteine und Familiengeschichten hervorhebt. Beide Führungen können kostenlos besucht werden.
Der Abend steht ab 19.30 Uhr im Jüdischen Museum Creglingen im Zeichen einer Weinprobe von koscherem Wein. Dessen An- und Ausbau erläutert Michael Schmitt und vergleicht das mit dem örtlichen Weinbau. Eine Verkostung von verschiedenen koscheren Weinen aus Deutschland und Israel sowie ein kleiner Imbiss schließen sich an. Eine Anmeldung ist erforderlich per E-Mail an jmc@stiftung-jmc.de. Es wird ein Kostenbeitrag erhoben.
Der letzte Tag bringt am Montag, 22. Juni, noch einmal einen Dreiklang aus Führung, Ausstellung und Film. Um 15 Uhr führt Ulrich Dallmann durch die Spuren jüdischen Lebens in Igersheim. Treffpunkt ist um 15 Uhr vor dem Rathaus, die Teilnahme ist kostenlos. Um 16.30 Uhr wird im Rathaus die Wanderausstellung „Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum, Widerstand“ des United States Holocaust Memorial Museums eröffnet. Diese geht auf verschiedenen Ebenen der Frage nach, wie der Holocaust möglich war. Zu sehen ist die Ausstellung dann bis Montag, 6. Juli, während der Öffnungszeiten des Rathauses.
Im Bad Mergentheimer Kino „Movies“ enden um 19 Uhr die diesjährigen Jüdischen Kulturtage mit einer Filmvorführung von „Jud Süß“. Das antisemitische Propaganda-Werk aus dem Jahr 1940 wird unter der vorgegebenen Einführung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung gezeigt und im Anschluss auch diskutiert. Einlass ist ab 14 Jahren und mit Erwerb einer Eintrittskarte.
Karten für alle eintrittspflichtigen Veranstaltungen gibt es an der jeweiligen Abendkasse. Außerdem können Eintrittskarten für das Eröffnungskonzert auch online erworben werden unter www.okticket.de. Die elf öffentlichen Veranstaltungen der Jüdischen Kulturtage werden durch nicht öffentliche Formate, beispielsweise Gespräche mit Schülerinnen und Schülern sowie weitere Schulveranstaltungen, ergänzt. Alle Informationen – darunter Anschriften der Veranstaltungsorte, Eintrittspreise und konkrete Veranstaltungspartner der Einzel-Termine - bündelt ein kompakter Informationsflyer. Er ist an verschiedenen öffentlichen Stellen erhältlich und über die Internetseiten der Kommunen und Veranstalter abrufbar. Die Termine der Reihe sind zudem in den Online-Veranstaltungskalendern unter www.bad-mergentheim.de und www.igersheim.de vollständig hinterlegt.

Hinter den Jüdischen Kulturtagen stehen als Bildungspartner die Gemeinde Igersheim, die Kaufmännischen Schulen Bad Mergentheim, die Stadt Niederstetten, das Jüdische Museum Creglingen und die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Unterstützer sind die Stadt Bad Mergentheim, der Verein Stolpersteine Bad Mergentheim, die Friedrich Ebert Stiftung, das Bundes-Bildungsministerium sowie das United States Holocaust Memorial Museum. 
Text: Stadtverwaltung Bad Mergentheim

Bildungspartner

Folgende Bildungspartner veranstalten die Jüdischen Kulturtage im Taubertal gemeinsam:

  • Roy und Adele Igersheim aus den USA
  • Gemeinde Igersheim mit der Manfred-Schaffert-Bürgerstiftung
  • Kaufmännische Schule Bad Mergentheim
  • Residenzschloss Mergentheim
  • Jüdisches Museum Creglingen
  • Stadt Niederstetten

Weitere Akteure unterstützen bei Einzelveranstaltungen.

Gruppenbild der „Klezmers Techter“ mit Mezzosopranistin Shai Terry
Beschwingter Auftakt in Niederstetten: „Klezmers Techter“ treffen auf die preisgekrönte israelische Mezzosopranistin Shai Terry. © Carola Schmitt