Igersheim verstärkt Klimaschutz weiter

Ann-Kathrin Murphy hat sich als Klimaschutz-Managerin bereits einen Namen gemacht – und ist bestens vernetzt. Sie soll die Gemeinde Igersheim nun tatkräftig bei einer Fokusberatung auf dem Weg hin zu noch mehr Klimaschutz unterstützen.

„Igersheim ist innovativ und zukunftsorientiert. Nachhaltigkeit und Verantwortung sind als zentrale Werte im Leitbild der Gemeinde verankert. Daher freue ich mich, dass Igersheim mit der Fokusberatung einen Schwerpunkt im Bereich Klimaschutz setzen möchte“, so Murphy vom Stadtwerk Tauberfranken bei der Vorstellung der Pläne im Gemeinderat. Zuvor hatte Bürgermeister Frank Menikheim ins Thema eingeführt und dabei die Bedeutung des Klimaschutzes explizit hervorgehoben.

Ann-Kathrin Murphy und Frank Menikheim sind einer Meinung, dass auf diesem Gebiet in Igersheim bereits einiges umgesetzt worden sei. Neben der energetische Sanierung kommunaler Liegenschaften oder dem E-Bürgerbus trügen auch Aktionen wie das Stadtradeln oder das Bürgerlädle zur Sensibilisierung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Gemeinde bei, meint die Klima-Managerin. Dieses Engagement biete ideale Voraussetzungen, um das Thema Klimaschutz im Rahmen der Fokusberatung weiter in der Gemeinde zu verankern und neue Projekte entstehen zu lassen.

Datenbank spielt Rolle

Alle Kommunen und Kreis müssten ihre Energieverbräuche jährlich in einer vom Land bereitgestellten elektronischen Datenbank erfassen, ließ Ann-Kathrin Murphy wissen. Ziel sei ein flächendeckendes kommunales Energiemanagement. Darüber hinaus stünden Stadtkreise und Große Kreisstädte in der Pflicht, bis 31. Dezember 2023 einen kommunalen Wärmeplan zu realisieren. Und zu guter Letzt gelte es, beim Neubau von Nichtwohngebäuden ebenso wie bei der Schaffung von Parkplätzen mit mehr als 75 Stellplätzen Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung zu installieren. Die Herausforderungen der Zukunft erforderten ressortübergreifendes Arbeiten und Handeln. Stichworte seien hier Konjunktur, Digitalisierung, Kulturwandel oder Bevölkerungswachstum. Die Expertin nannte den kommunalen Klimaschutz „eine Querschnittsaufgabe“.

Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Klimaschutz auf kommunaler Ebene seien einheitliche positive Signale von Verwaltung und Politik, wobei sämtliche Ressorts, Fachbereiche und Dezernate beteiligt sein sollten. Finanzielle und personelle Ressourcen seien eine weitere wichtige Grundlage, meinte Murphy.

Um als Gemeinde voranzukommen, sei es wichtig, laufende und vorgesehene Projekte ressortübergreifend hinsichtlich ihrer ökologischen Auswirkungen zu überprüfen. Ebenso gelte es, Maßnahmen und Vorhaben in die Öffentlichkeitsarbeit zu integrieren. Weiterhin sollte eine Strategie entwickelt werden, in der verbindliche Ziele formuliert werden, die mit Hilfe eines Monitorings regelmäßig in Augenschein genommen werden.

Bei einer Antragstellung bis 31. Dezember würde die Fokusberatung mit 75 Prozent gefördert, Sach- und Personalausgaben mit maximal 20 Beratertagenden seien integriert. Weitere Infos dazu gebe es über die Homepage www.ptj/projektfoerderung/nationale-klimaschutzinitiative/fokusberatung.

Wie Ann-Kathrin Murphy im Rahmen der Sitzung weiter ausführte, verfolge solch eine Fokusberatung mehrere Ziele: einfacher und zielführender Einstieg in den kommunalen Klimaschutz, Erarbeitung konkreter Handlungsmöglichkeiten und Maßnahmen, Aufzeigen von Fördermitteln im Bereich Klimaschutz und -anpassung, Empfehlungen zur Maßnahmenrealisierung sowie institutionelle Verankerung von Klimaschutz in der Verwaltung im Hinblick auf vorhandene Strukturen und Ressourcen. Nachdem der Antrag für Igersheim eingereicht und positiv beschieden worden sei, könnte bereits im Februar 2022 die Fokusberatung starten und im Mai kommenden Jahres ein erster Workshop unter Beteiligung der Bürger über die Bühne gehen. Und schon Ende 2022 könnte, wenn alles optimal laufe, mit der Umsetzung erster Maßnahmen begonnen werden.

Thema betrifft alle

Seitens der Räte werden die Pläne begrüßt. „Spätestens seit der Flutkatastrophe im Ahrtal sollte jedem klar sein, dass der Klimaschutz uns alle betrifft und wir dringenden Handlungsbedarf haben“, meint CDU-Fraktionschef Josef Gabel auf eine Anfrage der Fränkischen Nachrichten hin. Nur gemeinsam könne die Gesellschaft die Zunahme der Temperatur auf der Erde verlangsamen. Hierbei seien auch die Kommunen gefragt.

Die Gemeinde Igersheim habe in der Vergangenheit schon einiges unternommen – so sei die Straßenbeleuchtung auf energiesparende LED-Technik umgestellt oder auch Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern öffentlicher Gebäude installiert worden. „Doch fehlt noch ein Gesamtkonzept und auch die Bürgerschaft muss integriert werden. Das soll nicht durch Verbote, sondern durch Anreize geschehen.“ Dabei könne die Fokusberatung Klimaschutz eine wesentliche Hilfestellung leisten, meint Gabel.

„Wenn man die weltweiten Klimaextreme sieht, besteht dringender Handlungsbedarf auf allen Ebenen, etwas für den Klimaschutz zu unternehmen“, sagt auch Georg Schumann für die Freie Bürger-Vereinigung. Funktionieren werde dies nur, wenn auch die Menschen hier vor Ort in den Gemeinden etwas bewegen. „Deshalb kann ich die Fokusberatung des Stadtwerkes zum Klimaschutz nur unterstützen. Wir leben in einer Zeit, in der Klimaschutz alternativlos ist.“

Die Igersheimer Räte gaben einhellig grünes Licht für die Bestrebungen.

Text: Klaus T. MendeBild: Sarah Richter auf Pixabay