Floriansfest mit Fahrzeugweihe

Knapp 19 Monate Pandemie haben bei der Igersheimer Feuerwehr ihre Spuren hinterlassen. Nun gab es endlich wieder ein Floriansfest im Igersheimner Gerätehaus. Ein Anlass: Drei neue Fahrzeuge für die Abteilungen Igersheim, Neues und Bernsfelden.

Es hört sich (feuerwehr-) technisch an, und doch ist damit ein tieferer Sinn verbunden. Zwei TSF (Tragkrafzspritzenfahrzeug) und ein HLF standen nämlich blumengeschmückt auf dem Hof des Igersheimner Feuerwehrgerätehauses. Falsch, es waren nur zwei. Das dritte, das mächtige HLF (Hilfeleistungslöschfahrzeug), harrte da noch in der Garage seiner Vorstellung.

Kommandant Hermann Michel war die Freude anzusehen, denn nicht nur die Kameraden waren zahlreich erschienen, auch die Ehrengäste – allen voran Kreisbrandmeister Andreas Geier, sein Amtsvorgänger Alfred Wirsching, Vertreter des Kreisfeuerwehrverbands und natürlich auch Bürgermeister Frank Menikheim sowie die beiden Ortsgeistlichen, Pfarrer Kraus und Pfarrer Ike, sprachen Grußworte und spendeten den Segen.
„Die Rettungsdienste haben einen hohen Stellenwert in unserer Gemeinde, wir sind uns ihrer Bedeutung bewusst“, betonte Bürgermeister Frank Menikheim. Das werde nicht nur an der Feuerwehr und ihren Abteilungen in den Ortsteilen deutlich, sondern auch am THW, das seit einigen Jahren im Gewerbegebiet in Harthausen seinen Platz gefunden habe. 19 Monate sei der Feuerwehr-Betrieb nur sehr eingeschränkt möglich gewesen, heute endlich können man einen Festakt feiern, betonte der Bürgermeister und machte deutlich, dass die Feuerwehr der Gemeinde lieb und teuer sei – rund 1, 12 Millionen Euro aus der Gemeindekasse wurden im Verlauf der letzten Jahre für das Gerätehaus Bernsfelden, in Ausrüstung, Ausstattung und Fahrzeuge investiert. „Und es geht weiter, denn beim Gerätehaus in Harthausen und schließlich auch in Igersheim stehen weitere Maßnahmen an“, sagte Menikheim. Den Feuerwehrbedarfsplan habe der Gemeinderat beschlossen, „wir arbeiten Punkt für Punkt ab“. Als Bürgermeister freue er sich sehr, der Wehr drei neue Fahrzeuge zu übergeben, betonte Menikheim.

Kommandant Hermann Michel verwies auf sein 40-jähriges Engagement in der Wehr. Und in diesen Jahren habe es sich immer wieder gezeigt, „dass wir immer einsatzbereit sein müssen“. Das aber setzte entsprechendes Material voraus – und die Motivation, auch schwierige Einsätze, die fast die Kräfte überforderten, zu leisten und hinterher zu verarbeiten. „Auch das gehört dazu“, sagte Michel. Der Wahlspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ habe nach wie vor seine Berechtigung, sagte Michel. „Wir setzen ihn um!“
Der evangelische Pfarrer Kraus erinnerte an seine Jugend – er war ein begeisterter Fußballspieler – und den Versuch zweier Bekannter, ihn zur Feuerwehr zu locken. „Die kamen mir wie Missionare vor“, was wohl auch ihrer Begeisterung für die Sache geschuldet war. Nun, seine Begabung und Berufung war eine andere, seine Sicht auf die Feuerwehr war gleichwohl von großer innerer Anteilnahme gezeichnet. Denn: „Die Feuerwehr hat eine lange Geschichte, und alle Feuerwehrmänner und -Frauen sind ein Teil davon“, sagte Kraus. Ebenso ein notwendiger Teil seien „bestes Material, herausragendes Können und Wissen sowie höchste Motivation“. Es folgte ein kleiner historischer Rückblick, der aufzeigte, dass nichts von alleine kommt.  Napoleon hatte dabei ebenso seinen Anteil wie tatkräftige Männer, die etwa 1849 im sächsischen Meißen eine Feuerwehr ins Leben riefen - wohl auch eine Folge der „revolutionären“ Turnvereine.  Journalisten sorgten schließlich dafür, dass der Begriff „Feuerwehr“ entstand – nach einem Brand in Karlruhe 1847 wurde dieses Wort erstmals genannt. Heute seien in Deutschland rund 977000 Männer und Frauen in den Freuwilligen Feuerwehren aktiv, sagte Kraus.

Und auch die Igersheimer Entwicklung stellte der Pfarrer vor: Bis 1928 gab es nämlich eine Pflichtfeuerwehr, deren Ausbildungsstand und Motivation dem Kommandanten, einem Mann namens Sack, „auf eben diesen ging“. Und so wurde dann auf Sacks Anregung hin 1929 vom Gemeinderat beschlossen, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen – 76 Männer meldeten sich zum Dienst, und fortan standen Ausbildung, Übungen und Geselligkeit auf dem Programm – mit anfangs noch schwacher Ausrüstung wurde das bestmögliche geleistet. Allerdings „wurde es ständig besser“. Die Einweihung des neuerbauten Feuerwehrgerätehauses 1979 wurde zu einem, wie Kraus erläuterte, „großen Volksfest“.
Kraus hob die Stichworte „bestes Material und höchste Motivation“ hervor, denn „die Feuerwehr ist in Igersheim und den Ortsteilen immer da. Wir alle wissen, dass wir uns auf unsere Feuerwehr verlassen können.“ Mehr noch: Die Freiwillige Feuerwehr sei eine „systemrelevante, unverzichtbare Einrichtung, und wir alle sind froh und dankbar, dass wir sie haben“. Da öffnete sich die Garagentür und das neue HLF fuhr heraus – selbstverständlich mit Signal und zuckendem Blaulichtern.
Dann sprach der katholische Ortsgeistliche. „Sie sind immer bereit, in ein brennendes Gebäude zu gehen; mitten in der Nacht aus dem Bett zu steigen, um Leben zu retten; um aufzuräumen, Wasser abzupumpen oder auch technische Probleme zu lösen“, sagte Pfarrer Ike. Die Arbeit der Feuerwehr sei stets geprägt von gelebter Menschenliebe, also ein echter Dienst am und für den Nächsten. Nach dem Gebet segneten die beiden Geistlichen die neuen Fahrzeuge und die Feuerwehrmitglieder.
Kreisbrandmeister Andreas Geier verwies auf Anspruch und nötiger Effizienz bei der Ausrüstung, und auch das Land beteilige sich daran. So werden die drei neuen Fahrzeige mit insgesamt 172000 Euro gefördert. „Ich wünsche mir, dass alle Einsätze unfallfrei und erfolgreich gelöst werden“, auch wenn er selbst, wie Geier betonte, natürlich hoffe, „dass es möglichst wenig Einsätze werden“.

Ehrungen


„Es braucht Respekt vor der Gefahr und Mut“, betonte Gesamtkommandant Hermann Michel mit Blick auf den ehemaligen Kreisbrandmeister Alfred Wirsching, dem die Igersheimer Feuerwehr angesichts seines jahrzehntelangen Wirkens und gemeinsamer Einsätze für und mit der Igersheimer Wehr eine besondere Ehre zukommen ließ: Wirsching wurde zum Ehrenmitglied der Igersheimer Wehr ernannt, und er war sichtlich bewegt. Wirsching erinnerte an den ersten gemeinsamen Einsatz in Bernsfelden, als es in 14 Stunden gelang, Leben zu retten, aber anerkannt werden musste, dass nicht alles machbar ist. „Ein schwieriger Einsatz“, wie Wirsching betonte. Er dankte ausdrücklich für die Ehrenmitgliedschaft.
Weiter wurden zwei Mitglieder für ihr langjähriges Engagement für und in der Jugendfeuerwehr geehrt: Carsten Wirth hat 22 Jahre die Nachwuchsarbeit geleistet – ein Wirken, „ohne das es nicht geht, denn wir brauchen den Nachwuchs für unsere Abteilungen“, wie Hermann Michel betonte. Und Jürgen Herrschlein vom Kreis-Feuerwehrverband machte deutlich, dass Wirth und Marco Tatusch mit der Jugendfeuerwehr etwa beim Gassenfest Präsenz gezeigt hätten, immer wieder in der Schule über ihre Arbeit berichtet haben und Wirth zudem weitere Funktionen in der Igersheimer Wehr übernahm. Wirth wurde für sein großes Wirken mit der Ehrennadel in Gold des Landesfeuerwehrverbands der Jugendfeuerwehren in Baden-Württemberg ausgezeichnet;  Marco Tatusch, der viele Jahre an Wirths Seite stand und so die Igersheimer Jugendfeuerwehr mitprägte, wurde von Herrschlein mit der Ehrennadel in Silber geehrt.
Hermann Michel leitete dann über zum Thema Kameradschaft und überreichte der Delegation der Partnerwehr aus Drauschkowitz (bei Bautzen) ein Dutzend Flaschen Igerswein sowie Hausmacher-Wurst. „Wir haben gemeinsam die Mauer in den Köpfen eingerissen, und es ist immer wieder schön, wenn wir bei euch oder ihr bei uns seid“, sagte Michel. Christian Mohrbach von der Drauschkowitzer Feuerwehr erinnerte an viele gemeinsame Aktivitäten und zeigte sich dankbar, dass die beiden Freiwilligen Feuerwehren seit Jahrzehnten Kameradschaft, ja Freundschaft leben.

Dem offiziellen Teil folgte die Geselligkeit – auch dies war ja in den vergangenen Pandemiemonaten kaum möglich. Und bei einem herzhaften Vesper kamen sich die Gäste und die Igersheimer Feuerwehrler schnell nahe – Gesprächsstoff gab es genug, und auch die neuen Fahrzeuge wurden eingehend inspiziert. Sie tragen übrigens alle das neue Gemeindelogo – als bisher erste Fahrzeuge im Bestand.

Text + Bild: Hans-Peter Kuhnhäuser