Eichenprozessionsspinner hat sich weiter ausgebreitet

Zunehmendes Risiko für Waldbesucher durch wärmeliebende Schmetterlingsart

In vielen Laubwäldern der Region sowie an Park- und Alleebäumen ist auch in diesem Jahr ein besonders starkes Auftreten des Eichenprozessionsspinners zu verzeichnen. Dieser wärmeliebende Schmetterling, dessen Raupenhaare starke Hautreizungen verursachen können, profitiert vom Klimawandel und der bereits seit 2018 andauernden Trockenphase. Das Insekt ist derzeit praktisch flächendeckend, wenn auch in sehr unterschiedlichen Dichten, verbreitet. „Chemische oder mechanische Bekämpfungsmaßnahmen kommen daher“, so Roland Hartz, Leiter des Forstbezirks Tauberfranken, „im Wald – im Gegensatz zum Siedlungsbereich – in aller Regel nicht in Frage. Wir müssen den Schmetterling inzwischen vielmehr als Teil der Waldlebensgemeinschaft ansehen und können Waldbesuchern nur raten entsprechend Vorsicht walten zu lassen. An neuralgischen Stellen werden wir auch durch eine zusätzliche Beschilderung auf die Gefahr hinweisen.“

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling, dessen Flugzeit von Ende Juli bis Anfang September dauern kann. Als voll entwickelten Schmetterling kennt man ihn aber kaum. Viel bekannter ist das Larvenstadium, die Raupen des Prozessionsspinners. Das Insekt hat diesen Namen erhalten, da sich die Raupen in Kolonnen - „Prozessionen“ - fortbewegen. Schon der Name deutet darauf hin, dass das Insekt vor allem auf die Eichenarten spezialisiert ist.

Derzeit befinden sich die Raupen in ihrem letzten Entwicklungsstadium vor der Verpuppung. Je nach Witterung erfolgt die Verpuppung ab Mitte/Ende Juni in Kokons im Gespinstnest. Die Räupchen haben Brennhaare, welche beim Menschen starke allergische Reaktionen auf den Schleimhäuten in Rachen und Lunge sowie auf der Haut hervorrufen können. Besonders Kinder neigen zu starken allergischen Reaktionen. Die Brennhaare werden mit der letzten Larvenhaut abgestreift und bleiben im Gespinstnest zurück. Die Nester können mehrere Jahre als feste Gebilde aus Spinnfäden, Raupenkot, Häutungsresten und Puppenhülsen in der Natur, vor allem in Baumkronen, verbleiben.

Wenn Menschen mit den Brennhaaren der Raupen, den Häutungsresten bzw. den Nestern in Kontakt kommen, entsteht meist eine Reizung der Haut und / oder eine Hautentzündung. Diese sind geprägt von starkem Juckreiz, Rötungen, Quaddeln und Bläschen. Vor allem an nicht von Kleidung bedeckten Hautpartien wie z.B. den unteren Extremitäten, dem Hals oder dem Gesicht treten sie dann auf. Manchmal bilden sich auch insektenstichähnliche Knötchen bzw. Papeln. Die Dauer der Beschwerden liegt bei zwei Tagen bis zu zwei Wochen, je nach Stärke der ausgeprägten Reaktionen. Wichtig zu erwähnen ist, dass das klinische Bild der Raupendermatitis sich nicht von durch andere Ursachen bedingten Hautentzündungen unterscheidet. Bei starken körperlichen Reaktionen ist ein Arztbesuch zu empfehlen. Auch bei Haustieren - insbesondere bei Hunden - sind bereits allergische Reaktionen beobachtet worden. Außerdem können durch Katzen und Hunde Brennhaare im bzw. aus dem Fell ins häusliche Umfeld getragen werden. Daher ist sowohl indoor als auch outdoor Vorsicht geboten, um einen folgenlosen Waldbesuch genießen zu können.


Text: ForstBW - Forstbezirk Tauberfranken
Bild: FVA -Masino

Nest mit Häutungsresten vom Eichenprozessionsspinner